FriedeStein 01: „Ey, ich habe null IQ“

Steinle: He, Friedemann: Fühlst du dich auch so’n bisschen blöd
Friedemann: Hä? Sollte ich? Na ja, manchmal halt. Wieso?

Steinle: Ich bin da auf eine spannende experimentelle Studie der Universität Tübingen gestoßen. Der Bildungsforscher Tim Fütterer wollte herausfinden, wie die neuen KI-Sprachmodelle den menschlichen Lernprozess beeinflussen. Und wie sich herausstellte, geben viele der Schüler das Denken an die KI ab beziehungsweise wollen sich selbst gar nicht mehr in die Lösungsfindung einbringen. So schrieb einer in das Eingabefenster „Ey, ich habe null IQ. Bitte sag mir die Antwort.“ Was sagst du dazu?
Friedemann: Eine gute Idee. Der wählt halt die Abkürzung.

Steinle: Mann, Friedemann. Das ist der Shortcut in den Braindrain. Wenn wir unser Hirn nicht mehr trainieren, dann schrumpft es. Womöglich ist das bei dir auch schon der Fall.
Friedemann: Nicht frech werden, Steinle. Nur weil du noch mit Füllfederhalter rumrennst, müssen die Anderen doch nicht mehr den Brockhaus zücken.

Steinle: Also, das mit dem Brockhaus musst du erklären, zumindest für die jüngeren Generationen.
Friedemann: O.K. Ich frag die KI. Also: „Der Brockhaus war eine kuratierte Offline-Wissens-App aus Papier. Nur eben ohne Suchleiste, ohne Videos und ohne Links – dafür von Redaktionen geprüft und ziemlich prestigeträchtig im Wohnzimmer.“ (ChatGPT) By the way…Meine Mutter nutzt den Brockhaus übrigens immer noch.

Steinle: Hätte ich nicht besser formulieren können.
Friedemann: Merkste was….

Steinle: Ne, merke ich nicht. Schlechter kann auch besser sein. Oder wie es der Lehrer Florian Nuxoll ausdrückt: „Wir brauchen mehr KI in der Schule. Und wir brauchen weniger KI. Wichtig ist nur, dass wir in beiden Richtungen Vollgas geben.“
Friedemann: Klar, dass dir das gefällt. Kapiert kein Mensch, klingt aber richtig wichtig. Ich würde jetzt die KI fragen, was dieser Nuxoll damit meint.

Steinle: Oh Mann, Friedemann. Du tust es schon wieder.
Friedemann: Was denn, du Bildungsposer?

Steinle: Du machst „Skill Skipping“. Du verlagerst das Nachdenken an die KI.
Friedemann: Na, und?

Steinle: Na, was schlecht für die Schüler ist, ist bestimmt auch schlecht für dich. Wer alle Denkhürden beiseite räumt, der gelangt zwar schneller ans Ziel, doch wird man dabei nichts lernen. Wir müssen die KI als Sparringspartnerin nutzen, nicht als Vorsage-Maschine.
Friedemann: Joah, ich werd drüber nachdenken.

Steinle: Eigentlich geht der von dir entwickelte KI-Hack „Empathieeskalation“ genau in diese Richtung: die KI als Sparringspartner. Erklär mal.
Friedemann: Du willst die vorigen Beleidigungen wohl wieder gut machen? Also gut 🙂 Wenn wir in Projekten die verschiedenen Perspektiven der Beteiligten abwägen, haben wir es meist mit „rationalisierten“ Argumenten zu tun. Mit dem folgenden Prompt an die KI kommen wir zum Kern der Sache: „Mache mir hieraus eine krasse und sehr kurze Empathie-Eskalation und arbeite den emotionalen Unterton jeder Perspektive heraus.“

Steinle: Machste das auch mit meinen Perspektiven.
Friedemann: Ach, Steinle. Dafür braucht es keine KI.

Als Moderations-Duo stehen Christiane Friedemann und Andreas Steinle auf den Workshop-Bühnen der Welt. Wer sie für einen Zukunftsworkshop, eine Trendexpedition oder für ihr neues interaktives Vortragsformat „Mutausbruch“ buchen möchte, schreibt bitte eine Mail an: info@zukunftsinstitut-workshop.de.