
Liebe Führungskräfte und Zukunftsgestalter*innen,
können wir durch KI als Führungskraft empathischer werden? Oder delegieren wir vielleicht über kurz oder lang einfach alles Emotionale an die KI? Soll sich doch der Algorithmus mit dem Team rumstreiten…
Aus meiner Führungsperspektive gerate ich angesichts der KI-Revolution ins Staunen – aber auch Grübeln. Was bleibt mir, wenn ein Chatbot viel besser auf die Nöte von Menschen eingehen kann? Wo ich ohnehin schon weiß, dass ich in Konfliktsituationen gelegentlich „überreagiere“.
Mit diesen Fragen im Kopf waren Kollege Steinle und ich Anfang Juli 2025 mit einer Hand voll Bank-Vorständ*innen auf Trendexpedition in Stuttgart und haben dort u.a. führende KI-Pionierunternehmen besucht. Dabei diskutierten wir, was die Technologie mit uns als Führungskräfte macht.
Bei Team One Developers konnten wir von Paul Krauss und Timo Brückel in verschiedenen Live-Experimenten erleben, wie und wo KI heute schon führt. Von Gabriel Senftle, dem Gründer von Studicon, lernten wir, welche disruptive Kraft in der neuen Technologie steckt, die sein eigenes Führungs- und Geschäftsmodell innerhalb kürzester Zeit komplett auf den Kopf gestellt hat.
Sind die netten „menschlichen“ Jahre vorbei?
Wie so häufig verlieren die Gespenster ihren Schrecken, wenn man sich ihnen stellt. In meiner kreativen Arbeit ersetzt mich die KI nicht. Sie erweitert meinen Handlungsspielraum. Und so ist es auch in punkto Führung. Richtig eingesetzt kann sie sich sogar zu einem kraftvollen Tool für empathische Führung entwickeln.
Besonders spannend: Wenn wir KI als Sparringspartner nutzen und mit einem Chatbot über Konflikte sprechen, fällt schnell die soziale Selbstzensur weg. Das eröffnet neue Räume für persönliche Reflexion und emotionale Weiterentwicklung. Nicht umsonst kommt KI auch in der Psychotherapie zunehmend zum Einsatz. Laut einer in der FAZ zitierten Studie können Chatbots depressive Symptome um bis zu 51 Prozent lindern.
Führungskräfte profitieren von diesen neuen Möglichkeiten: Mit Hilfe von KI gelangen sie schneller zum Kern von Spannungen – und können ihre eigene Empathie gezielt trainieren. Wir haben vor allem viel mehr Spielraum, unsere emotionale Intelligenz zum Einsatz zu bringen. KI-Systeme übernehmen zunehmend analytische Aufgaben – wir Menschen hingegen gestalten das, was wirklich zählt: Vertrauen, Verbindung und psychologische Sicherheit.
KI bietet hierfür einen urteilsfreien Raum zum Üben, Reflektieren und Wachsen – ohne Gesichtsverlust. Wer mit KI experimentiert, kann neue Führungsansätze entwickeln, authentisch bleiben und wirksam führen.
Warum KI der ideale Empathie-Trainer ist
Moderne KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder spezialisierte AI-Leadership-Tools bieten vielfältige Möglichkeiten für die Entwicklung emotionaler Kompetenzen:
- Urteilsfreier Dialograum: keine Angst vor Kritik oder Missverständnissen
- Grenzenloses Üben: jederzeit und so oft wie nötig
- Sofortiges Feedback: schnell, präzise, skalierbar
- Vielfältige Rollen: Simulation unterschiedlicher Persönlichkeiten
- Rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit: Führungstraining on demand
Sechs konkrete Tipps und Übungen zum Loslegen
- 🔄 Perspektiven-Wechsler – Verstehe die Welt durch die Augen deines Gegenübers
Nutze KI, um komplexe Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten – sei es aus Sicht eines Teammitglieds, Kunden oder Stakeholders.
Optimierter Prompt: „Analysiere diese Situation aus Sicht eines (Rolle: z.B. verunsicherten Mitarbeiters) und beschreibe dessen Gedanken, Sorgen und Bedürfnisse.“ - 💡 Emotionale Klarheit schaffen – Botschaften klar UND herzlich vermitteln
Transformiere sachliche Informationen in emotional anschlussfähige Kommunikation, die sowohl verständlich als auch empathisch wirkt.
Optimierter Prompt: „Formuliere diese Botschaft so um, dass sie fachlich präzise, aber gleichzeitig warmherzig und verständnisvoll rüberkommt.“ - 👁 Stimmungs-Scanner – Erkenne emotionale Stolpersteine, bevor sie entstehen
Lass deine Kommunikation auf mögliche emotionale Missverständnisse und unbeabsichtigte Wirkungen prüfen.
Optimierter Prompt: „Analysiere diese Nachricht: Welche Emotionen könnte sie bei verschiedenen Empfängern auslösen? Wo könnten Missverständnisse entstehen?“ - 💬 Dialog-Designer – Schwierige Gespräche vorher durchspielen
Simuliere herausfordernde Führungssituationen und entwickle empathische Gesprächsstrategien durch KI-gestützte Rollenspiele.
Optimierter Prompt: „Führe ein Rollenspiel mit mir durch: Du bist ein Mitarbeitender, der … (konkrete Situation). Reagiere authentisch auf meine Führungsansätze.“ - 🤝 Vertrauens-Booster – Psychologische Sicherheit systematisch stärken
Analysiere deine Führungshandlungen auf ihre vertrauensbildende Wirkung und optimiere sie für mehr psychologische Sicherheit.
Optimierter Prompt: „Bewerte diese Führungshandlung: Welche Aspekte stärken Vertrauen und psychologische Sicherheit? Was könnte kontraproduktiv wirken?„ - 🌉 Empathie-Übersetzer – Herausforderndes Verhalten in Bedürfnisse übersetzen
Entschlüssele die dahinterliegenden Bedürfnisse und Ängste bei schwierigem Verhalten, um empathischere Führungsansätze zu entwickeln.
Optimierter Prompt: „Analysiere dieses Verhalten: Welche unerfüllten Bedürfnisse, Ängste oder Motivationen könnten dahinterstehen? Wie kann ich empathisch darauf eingehen?“
Anwendungstipp:
Kombiniere diese Tools miteinander – nutze z.B. den Empathie-Übersetzer und anschließend den Dialog-Designer, um ein schwieriges Gespräch vorzubereiten. Beobachte, wie sich die Reaktionen deines Teams über Zeit verändern – mehr Offenheit, weniger Widerstände und höhere Bereitschaft zur Zusammenarbeit sind Indikatoren für wachsende empathische Führungskompetenz
Mein persönlicher Favorit ist die Nummer 4: Dialog-Designer.
Ich freue mich, wenn wir im Dialog bleiben – von Mensch zu Mensch.
Empathische Grüße
Christiane Friedemann


