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Trendexpedition „Food-Trends“ in Amsterdam

By 6. Mai 2019 Juli 26th, 2019 Trendexpedition, Erlebnisbericht

Die niederländische Hauptstadt ist ideal für eine Trendexpedition: weltoffen, experimentierfreudig und schnell zu erreichen. Viele Trends nehmen hier ihren Anfang. Wir waren im Auftrag eines international tätigen Lebensmittelherstellers unterwegs. Von daher lag der Fokus auf Food-Trends. Wir konnten etliche spannende Entwicklungen beobachten, die auch für andere Branchen von großer Relevanz sind.

Retail-Trend: Made by Humans

Die Menschen wollen wieder verstehen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie verarbeitet werden. Diese Sehnsucht wird in vielen Handelskonzepten in Amsterdam aufgegriffen. Im Kleinen bei spezialisierten Händlern wie Sumsum, wo handwerklich hergestelltes Halva angeboten wird. Im Laden steht eine kleinere Version der steinernen Mühle, die am Produktionsstandort die Ölsamen mahlt. Sofort ändert sich der Bezug zu dieser Spezialität, wenn man mit eigenen Augen sieht, wie diese seit Jahrhunderten Jahren traditionell hergestellt wird.

Bei der Schokoladen-Manufaktur Urban Cacao kann der Kunde direkt in die Produktionsküche hineinschauen. Große Maschinen und Chrom dominieren das Bild, das wenig mit romantischen Vorstellungen zu tun hat, aber dafür tatsächlich authentisch ist. Hier zeigt sich: Der aufgeklärte Verbraucher ist bereit für die Wahrheit. Das Marketing muss ihm keine Lügen mehr auftischen. Es geht um eine neue Ehrlichkeit, die vor allem mit Dialog zu tun hat. Darauf setzt auch die Supermarktkette marqt, deren Fokus auf regionalen Produkten liegt. Sie lädt regelmäßig die Erzeuger in die Märkte ein und lässt diese ihre Produkte den Kunden präsentieren und erklären. „Made by Humans“ wird in Zeiten industrieller Massenproduktion zum Qualitätsausweis. Das Probieren, Erkunden und Genießen der Produkte steht dabei im Vordergrund – ein Ansatz, von dem sich auch deutsche Händler eine Scheibe abschneiden könnten.

Innovationsansatz: Shared Kitchen

Mit Kitchen Republic wurde in Amsterdam der erste Food Business Inkubator in Europa geschaffen. Für Fintechs (Finanz-Startups) oder Social Businesses gab es derlei Gründungsbrutstätten bereits – jedoch nicht für die boomende Food-Branche. Auf unserer Expedition lernten wir dieses einzigartige Konzept kennen. Mehrere Startups aus dem Food-Bereich teilen sich die Infrastruktur einer Produktionsküche und Bürofläche, den sogenannten „culinary co-working space“ – und bilden ein kreatives Ökosystem, das Experiment und Ideenaustausch befördert.

Die Kontakte von Kitchen Republic in den Handel erleichtern das schnelle Testen von Konzepten und dienen als Türöffner. Offen ist man auch für die Kooperation mit etablierten Lebensmittelherstellern. Diese sind eingeladen, ihre Ideen gemeinsam mit Startups zu entwickeln. Das Konzept kommt so gut an, dass in 2019 eine zweite, größere Location eröffnet werden soll. Mittlerweile haben zahlreiche erfolgreiche Startups ihren Anfang bei Kitchen Republic genommen, z.B. esfoodcreativ mit „The Morning Breakfast“: „To create real human connection in the digital age, we organize once a month a three-course breakfast and celebrate food, art & craftsmanship from around the world in one of Amsterdam’s multi-cultural hotspots.“ Egal, ob man im Lebensmittel- oder in einem anderen Bereich tätig ist: Immer häufiger geht es darum, eine Community  zu schaffen. Menschliche Wärme ist unser Gott.

Out of the Box: Kill your Business

Wir haben nicht schlecht gestaunt, als uns der Manager vom IQOS-Store (Philip Morris) erzählte, dass man die Kunden vom Rauchen abbringen möchte – also vom herkömmlichen Rauchen. Denn bei dem neuen System wird Tabak nicht mehr verbrannt, sondern nur noch erhitzt. Das macht die Angelegenheit deutlich weniger gesundheitsschädlich. Man spürt, dass sich eine Industrie auf die Zeit vorbereitet, in der Rauchen aus dem Alltag verschwunden sein wird. Gerade versucht Groningen zur ersten völlig rauchfreien Stadt in den Niederlanden zu werden. Damit nimmt wahrscheinlich auch das Interesse für den IQOS-Tabakstift ab. Aber wie uns der Store Manager erzählte, habe man für die Entwicklung von IQOS so viele Wissenschaftler und Ingenieure eingestellt, dass man in Zukunft womöglich zu einem Technologie- oder Forschungsunternehmen werde. Es hilft ja nichts: Gesellschaftliche Dynamiken sind unumkehrbar. Der Megatrend Gesundheit gehört dazu. Besser man killt sein eigenes Geschäft, bevor es andere tun oder der Zahn der Zeit zuschlägt, und erfindet sich neu. Doch das braucht Mut. Praxisbeispiele wie dieses fördern den notwendigen Zukunftsmut. Darum geht es bei unseren Trendexpeditionen: inspiriert werden, andere Perspektiven einnehmen und dann die Ärmel hochkrempeln und – MACHEN. Denn Machen ist wie Wollen, nur krasser.

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