Hyper-Customization oder maximale Vereinfachung – wie Sie die Identität Ihrer Kunden stärken

By 15. April 2019 Juli 25th, 2019 Trends & Analysen

von Juliane Bublitz und Michael Kirmes

Schwarze Hose mit weißem Hemd, Blumenmuster oder heute doch ein Kleid mit Streifen… die meisten von uns verbringen jeden Tag eine nicht unerhebliche Zeitdauer vor dem Kleiderschrank, probieren, wählen, entscheiden, zweifeln. In einer Ära der Dauerdarstellung unserer Individualität zur Kommunikation unserer Identität – auf die Wahl des Outfits folgt das Spiegel-Selfie – verspüren wir einen immer größeren Druck, uns (gut) darzustellen. Das Dilemma: selbst, wer sich gegen die eigene Inszenierung stellt, inszeniert damit mindestens mal die Nicht-Inszenierung.

Digitales Paradox: Der Hashtag #nofilter soll zeigen, wie echt und authentisch die eigene Selbstdarstellung ist. Instagram-Nutzer sagen damit: schaut her, ich inszeniere mich nicht…und inszenieren damit die Nicht-Inszenierung.

Situationen wie das tägliche Kleiderschrankdilemma erhalten durch die Kräfte des Megatrends Individualisierung eine bisher nicht dagewesene Bedeutung. Vielmehr als noch vor ein paar Jahren, fühlen wir uns dazu verpflichtet, unsere Identität zu inszenieren. Schon immer haben Menschen sich gefragt, wer sie sind und sind auf die Suche nach ihrem wahren Selbst gegangen. Doch wir leben mehr denn je in Zeiten der Gestaltungsfreiheit. Unsere Grundbedürfnisse sind weitestgehend erfüllt und so streben wir nach mehr: mehr Freiheit, mehr Einfluss, mehr Selbstbestimmung.

Dabei können wir aus zahlreichen Quellen auswählen, welche Identität wir gerne annehmen möchten. Influencer, Blogs und andere Kanäle der sozialen Medien bieten eine breite Auswahl an möglichen Identitäten, aus denen wir uns ein Potpourri an möglichen Stilen, Persönlichkeiten oder auch Ernährungsformen zusammenstellen. In unserer Identitätsfindung gehen wir also vor wie Kunstsammler: wir stellen diejenigen Bilder, Gesichter und Gedanken in unseren Feeds zusammen, die in der gemeinsamen Wirkung unsere eigene, gewählte Identität am besten zu treffen vermögen. Wir wollen nicht nur sein wie Bibi von Bibis Beauty Palace, sondern wir wollen ein bisschen Beauty von Bibi, ein bisschen Wildnis von Jack Wolfskin und die cleveren Lebensweisheiten des Dalai Lama. Wir kuratieren unser Selbst durch ein Mix-and-Match der anderen. So erschließen wir neue Möglichkeiten und setzen gleichzeitig die Grenzen, in denen wir uns bewegen möchten, um Ordnung in die Pluralität täglicher Entscheidungs-Überforderung zu bringen.

Durch Identitäts-Kuration wird der Gegensatz zwischen Einzigartigkeit und Zugehörigkeit aufgelöst. Wir sind einzigartig durch die individuelle Zusammenstellung unserer Identät(en) und machen uns gleichzeitig zum Mitglied unterschiedlichster Gruppen. Trend und Gegentrend, Individualisierung und Wir-Kultur treiben auf diese Weise Branchen und Märkte voran.

In diesem scheinbaren Gegensatz entwickeln sich zahlreiche Produkte und Services, die Bedürfnisse an der Schnittstelle zwischen Wir und Ich adressieren. Während einige von uns erleichtert aufatmen, wenn sie von Kurations-Services wie bspw. Modomoto oder Outfittery hören, würden andere diese Aufgabe niemals fremden Leuten überlassen und freuen sich über Angebote wie z.B. die zahlreichen Lebensplaner (z.B. Klarheit), die ihnen dabei helfen, ihren Lifestyle selbst zu definieren.

Wer versteht, wie Kunden in Fragen des Identitätsdesigns ticken, kann daher bedeutungsvollere und authentischere Produkte uns Services gestalten:

  1. HYPERCUSTOMIZATION: Erschaffen Sie Produkte und Services, die maximal individuelle Gestaltung zulassen. Shampoos zum selbst-mixen, Strickmuster aus DNA – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und Kunden werden Ihnen diese Möglichkeit der Selbstverwirklichung danken.
  2. HYPERSIMPLIFICATION: Für Menschen, die ihre Identität nicht durch Ihr Angebot ausdrücken, reduzieren Sie die Überforderung durch Komplexität. Die Möglichkeiten reichen hier von One-Size-Fits-All Angeboten, über markenlose Produkte („brandless“) hin zu individuell kuratierten Produktsets.
  3. CROSSBRANDING: Nutzen Sie die Wechselwirkungen Ihres eigenen Angebots mit anderen Produkten und Marken, um der Vielseitigkeit von Identitäten gerecht zu werden. Begeben Sie sich mit Ihrer Marke in noch unerschlossene Lebenswelten, anstatt nur auf eine einzige Kundengruppe zu fokussieren.
Sie wollen die Identität Ihrer Kunden stärken? Gerne erarbeiten wir mit Ihnen gemeinsam in einem Workshop, wie sie den Megatrend der Individualisierung gezielt für ihr Unternehmen nutzen können und nutzen gezielte Methoden um eine „Simplify“-Strategie zu entwickeln oder Kunden durch „Cross-Branding“ besser abzuholen.