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Blockchain ist bekannt als die Technologie, auf der die Krypto-Währung Bitcoin aufbaut, aber sie kann noch viel mehr. Die Blockchain ist ein dezentral verteiltes „Grundbuch“, in dem Transaktionen verzeichnet und dann verschlüsselt miteinander verkettet werden, sodass nachträgliche Manipulationen unmöglich sind. Auch als „Internet of Value“ bezeichnet, kann Blockchain-Technologie damit überall angewendet werden, wo Transaktionen stattfinden – also in jedem Wirtschaftszweig.

Im Trend-Innovation-Fokus beleuchten wir regelmäßig verschiedene Innovationen zu einem Trend aus unserer Megatrend-Workbox.

Juli 2018: Blockchain (Teil des Megatrends Sicherheit)

Als wir im August 2017 die 60 Subtrends zu unseren 12 Megatrends festlegten, war die Blockchain weithin noch eine relativ unbekannte Technologie, wenn auch mit beeindruckenden Fürsprechern und weitreichenden Heilsversprechen. Dann kam Ende letzten Jahres der Bitcoin-Hype, und seitdem haben wohl die meisten von der ominösen Buchhaltung, auf der die Bitcoin aufbaut, gehört. Aber auch unabhängig von Bitcoin und anderen Kryptowährungen bietet die Blockchain interessante Anwendungsmöglichkeiten. So hatten auch die großen Technologiefirmen dieses Jahr bei der CEBIT fast alle eigene Use Cases im Gepäck.

Das wesentliche Feature der Blockchain ist, dass Einträge nicht nachträglich manipuliert werden können. Blockchains sind somit potenziell interessant, wo komplexe Transaktionsfolgen nachvollziehbar bleiben sollen, wo es keinen zentralen Vermittler gibt, dem alle Parteien vertrauen, und/oder wo Transaktionen automatisch ausgelöst werden sollen (sog. Smart Contracts).

Nachvollziehbarkeit von Transaktionen

Die Blockchain ist eigentlich bloß ein verschlüsselt-verkettetes Grundbuch, in das Transaktionen eingetragen werden. Ursprünglich ging es dabei lediglich um finanzielle Transaktionen, sprich Überweisungen, aber auch logistische Prozesse lassen sich so gut nachvollziehen:

Wenn Lebensmittel durch Erreger verdorben sind, kann es oft Tage dauern, bis nachvollzogen ist, wo-her die Lebensmittel kamen und welche Lieferungen alle betroffen sind. IBM arbeitet jetzt mit zehn großen Lebensmittelhändlern an einem Pilotprojekt, bei dem die gesamte Lieferkette in einer Blockchain verzeichnet wird. Über einen QR-Code auf der Ware können so in Sekunden alle Schritte bis zur produzierenden Farm nachvollzogen werden. Die dezentrale Transparenz schafft Vertrauen nicht nur beim Endverbraucher, sondern auch unter den Partnern entlang der Lieferkette. Erste Tests laufen vor allem in China, wo Lebensmittel-infektionen ein besonders großes Problem sind. 

Während der Fokus bei IBMs Projekt in China eher darauf abzielt, verseuchte oder verdorbene Lebensmittel schnell aus dem Verkehr ziehen zu können, geht es bei Ritter Sport eher darum, die eigene Nachhaltigkeit deutlicher in den Fokus zu rücken:

Bemüht um eine nachhaltig gestaltete Wertschöpfungskette hat Ritter Sport als eines der ersten Unternehmen im Lebensmittelhandel eine prototypische Blockchain-Anwendung erstellt, um dem Verbraucher die volle Transparenz über Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe zu bieten. Über einen QR-Code auf der Verpackung gelangt man auf eine Website, die Auskunft über Inhaltsstoffe und Verarbeitung gibt. Intern sorgt die Anwendung für besseres Lieferkettenmanagement und Rückverfolgbarkeit in der Produktion. Mit einher geht die papierlose Fabrik, wenn die Maschinen Produktionsparameter wie die Temperatur eigenständig speichern.

Dezentralität

Auch bei DB Systel, der IT-Sparte der Deutschen Bahn, geht es darum, Transaktionen besser nachzuvollziehen – wie verteilen sich gefahrene Teilstrecken auf verschiedene regionale ÖPNV-Träger? Das Problem: es gibt keinen neutralen Vermittler, dem alle vertrauen, diese Daten fair zu erheben. Also kommt auch hier eine Blockchain ins Spiel, und liefert gleich noch Anschub für größere Innovationen in diesem Bereich:

Mit der Blockchain ist es möglich, Reisende über die gesamte Reisestrecke hinweg eindeutig zu identifizieren, egal ob sie mit Zug, Bus, Rad oder Taxi reisen. Die DB Systel arbeitet an verkehrsträger-übergreifendem Reisen mit nur einem Ticket, das durch die Dokumentation in der Blockchain eine leistungsgerechte Abrechnung zwischen den unterschiedlichen Mobilitätsdienstleistern ermöglicht. Im App-Prototyp kann man ein Ticket für eine Wegstrecke in Mannheim lösen, die sowohl mit Öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Taxi zurücklegt werden kann. Zukünftig könnte ein komplettes Reiseerlebnis inklusive Hotel und Verpflegungskosten über ein Ticket gelöst werden.

Ein komplettes Reiseerlebnis möchte auch Winding Tree anbieten, zielt hierbei aber zunächst eher auf Fluggesellschaften, Hotelketten und Reisebüros, die ihre Transaktionen alle über eine dezentrale, open-source Blockchain-Lösung abwickeln sollen, ohne dabei einen zentralen Plattform-Anbieter reich zu machen. Nicht nur die Daten, auch das Team ist dezentral über den ganzen Globus verteilt.

Smart Contracts

Verbindet man die Blockchain mit dem Internet der Dinge, können auch internetfähige Gegenstände selbsttätig Zahlungen auslösen, wenn bestimmte dafür in Smart Contracts festgelegte Bedingungen erfüllt sind. Ein Beispiel dafür bietet unsere Trend-Innovation aus dem Bereich E-Mobilität:

Aber auch für Fahrradfreunde gibt es Blockchain-Lösungen:

Die BikeBlockchain ist ein öffentlich-privat-wirtschaftliches Kooperationsprojekt zwischen der holländischen Fahrzeugzulas-sungsstelle RDW und dem IBM Client Innovation Center Groningen mit dem Ziel, den Diebstahl von Elektrofahrrädern zu verringern. Das Rad wird mit einem smarten Schloss versehen, das auf der Blockchain dokumentiert, wo es auf- und ab-geschlossen wird. Meldet der registrierte Besitzer das Rad als gestohlen, erhält die Polizei den letzten Standort des Rads. Gleichzeitig prüft die Versicherung, ob das Rad ordnungsgemäß gesichert war. Ist dies der Fall, wird die Entschädigung über einen smart contract direkt überwiesen. Das Rad ist als gestohlen registriert und kann nur schwer veräußert werden.

Eine gewissermaßen gerät-freie Smart-Contract-Versicherung bietet hingegen Axa mit der Flugverspätungsversicherung fizzy an. Ist der Flug mehr als zwei Stunden verspätet, wird die Versicherungssumme an auf der Blockchain gespeicherte Versicherungsnehmer automatisch ausgezahlt.

Alle vorgestellten Blockchain-Karten gibt es hier auch als PDF-Download.

Trend-Innovation-Journalismus zum Weiterlesen:

Bitcoin-Blase, Blockchain Belief: Wie viel ist Hype, wie viel ist echter Kundennutzen? In meinem persönlichen Blog habe ich diese Frage Anfang des Jahres zu beantworten versucht. Vitalik Buerin, Gründer der Ethereum-Blockchain, sieht einen Großteil der Versprechungen von Blockchains noch nicht weitreichend erfüllt. Möglicherweise ist die Blockchain eher ein neues Linux als ein neues Internet, also wichtige technologische Infrastruktur im Hintergrund, die von den meisten Endverbrauchern aber nicht wahrgenommen werden muss. Und insbesondere in Bereichen, in denen bisher die Digitalisierung verpasst wurde, bietet sich jetzt eine neue Möglichkeit, auf einer tosenden Welle mitzureiten.

Mehr Infos zu den Beispielen: