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Agile Methoden – Trendexpedition in Berlin

By 6. Juni 2018 Juli 17th, 2018 Erlebnisbericht, Trend-Innovation-System

Agiles Management hilft Unternehmen, in der sich ständig wandelnden VUCA-Welt zukunftsfähig zu bleiben. Die dafür wichtigen Grundwerte fasst das Backronym AGILE (auf englisch) zusammen:

  • Anticipating Change (mit Veränderung rechnen)
  • Generating Confidence (Vertrauen schaffen)
  • Initiating Action (Initiative ergreifen)
  • Liberating Thinking (frei denken)
  • Evaluating Results (Ergebnisse auswerten)

Doch wie sieht das eigentlich konkret im Unternehmen aus?

Unter dem Motto „Agile in Action“ wollten wir gemeinsam mit einem Kunden herausfinden, wie sich agiles Arbeiten im Unternehmensalltag praktisch umsetzen lässt. Mit 50 Teilnehmern haben wir uns dazu auf den Weg nach Berlin gemacht und in fünf Gruppen parallel zehn Best-Practice-Unternehmen besucht, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise agil arbeiten. Sowohl große Unternehmen wie Microsoft, Lufthansa Systems, Deutsche Bahn und SAP, als auch jüngere Querdenker wie das Startup mymuesli, die Zahnarztpraxis KU64 oder das Quartier Zukunft der Deutschen Bank standen auf unserer Tagesordnung.

Die Wichtigkeit agiler Werte für die Kultur wurde bei der Agentur TLGG hervorgehoben. „Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr. Wir sind eine Agentur für Digital Business“, so beschreibt sich das 2008 gegründete Unternehmen. Elena Merkel und Miriam Wilhelm sprachen mit uns über ihre fünf Grundwerte:

  1. 80% Einigkeit = 100% Energie! Zeige Mut und entschiede
  2. TLGG steht hinter dir! Übernimm Verantwortung
  3. Handle stets im Sinne des Kunden! Erkenne deine Kunden
  4. Liebe Muskelkater! Gib alles und dann noch etwas mehr
  5. Sei Gelb! Sei ein Teil von uns

Diese Werte ziehen sich durch alle Aufgabenbereiche des Unternehmens bis hin zum Kunden und wieder zurück. Sie erlauben es TLGG mit ihren mittlerweile 180 Mitarbeitern die ständigen Veränderungen der VUCA-World in freien und selbstorganisierten Teams zu nutzen und zum Geschäftsmodell zu machen.

Gelebte agile Werte konnten wir auch beim Startup Tandemploy deutlich spüren. Als Pionier für die Zukunft der Arbeit inspirieren sie andere Unternehmen für eine Arbeitswelt weg von der klassischen 40-Stunden-Woche, hin zu flexiblen Arbeitsmodellen und einem hohen Wissensaustausch. Tandemploy geht mit gutem Beispiel voran: Jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, wie und wo er arbeiten möchte. Aktuell gibt es in dem 20-köpfigen Team drei Jobsharing-Tandems, vier Projektteams, drei Freelancer und fünf Kollegen mit einer 4-Tage-Woche. Diese Flexibilität sorgt für mehr Freude und Motivation im Arbeitsalltag. Und diese Freude wird in Sharing-Days und den täglichen Umgang mitgenommen, und in Happy Meetings besonders in den Mittelpunkt gestellt:

HAPPY MEETING Jeden Montag Vormittag treffen sich die Teammitglieder von Tandemploy zum „Happy Meeting“: Jeder, der möchte, erzählt von einem positiven Erlebnis aus der letzten Arbeitswoche. Das sorgt nicht nur für gute Stimmung, sondern auch für eine gemeinsame Wahrnehmung der Unternehmensleistung. Ein Erfolg einer Abteilung käme sonst möglicherweise in einer anderen Abteilung gar nicht an, oder würde nicht als solcher bemerkt. Nach dem Happy Meeting starten alle fröhlich und motiviert in die Arbeitswoche.

Beim Besuch von Lufthansa Systems erzählte uns Oliver Thönißen von einem Meeting, in dem er sich regelmäßig überflüssig gefühlt hatte. Um das zu ändern, spielte er mit seinem Team Delegation Poker. Dadurch hatte jedes Teammitglied die Möglichkeit zu zeigen, wie viel Verantwortung delegiert und was besser in Führungshand bleiben sollte. Nach Aufdecken der Karten waren sich alle einig, dass für dieses Meeting keine Führungskraft nötig sei. Seitdem nutzt Lufthansa Systems die Methode regelmäßig, um sich auf Delegationsgrade zu einigen. Das Delegation Poker ist eine Methode aus dem Management 3.0, einem Führungskonzept bei dem Verantwortung an die Mitarbeiter abgegeben wird, begleitet von Ritualen und Übungen, die Vertrauen aufbauen.

DELEGATION POKER Delegation Poker unterscheidet sieben Stufen der Delegation, die aus Sicht des Managers formuliert sind und ihn mit jeder Stufe mehr Verantwortung abgeben lassen. Gepokert wird zu konkreten Verantwortlichkeiten: Von Urlaubsplanung über die Büroeinrichtung bis hin zum Gehalt. Alle Teammitglieder, Vorgesetzte wie Mitarbeiter, schreiben für sich den gewünschten Delegationsgrad zu dem Entscheidungsthema auf (oder wählen die entsprechende Karte aus dem Set). Dann präsentieren alle ihre gewählte Zahl. Die beiden, die am weitesten auseinander liegen, tauschen ihre Argumente aus. Dann wird iteriert. Ziel ist es, sich im Team auf einen gemeinsamen Delegationsgrad zu einigen.

Beim Besuch der Zahnarztpraxis KU64 führte uns Andrew Janisch in die Rot-Grün-Blau-Systematik von Martin Betschart ein: Bei der Kommunikation mit Mitarbeitern wie mit Patienten achte man darauf, welcher Farbtyp man selbst sei und welcher Typ einem gegenübersteht. Das Rot-Grün-Blau-Modell unterscheidet Macher (rot) von Gemüt-(grün) und Verstand-(blau) Geleiteten. Dabei ist niemand „einfarbig“, sondern die meisten doch sehr bunt — nichtsdestotrotz dominiert oft eine der drei Farben die Persönlichkeit. Er selbst sei beispielsweise eher „rot“, also oft impulsiv, was er sich immer bewusst macht, wenn er mit Kollegen spricht, die mehr „grün“ oder „blau“ sind.

ROT GRÜN BLAU Jeder Mitarbeiter kann einem Persönlichkeitstyp zugeordnet werden: Rot, Grün oder Blau. Rot (Macher) steht für Ungeduld und Spontanität. Grüne (Gemüts-)Menschen sind hilfsbereit, emphatisch und gefühlsgeleitet. Der Blaue (Verstand) ist bedacht, rational und analytisch. Diese Eigenschaften sollten bewusst im Team genutzt werden. Der Rote findet spontan gute Lösungen, der Grüne sorgt dafür, dass die Stimmung im Team gut bleibt und der Blaue ist gut informiert und kann Ideen rational überdenken.

Im SAP AppHaus konnten wir kreative Büroräume besichtigen: Basierend auf der Idee, dass Teamverhalten den physischen Raum beeinflusst und umgekehrt, gab es gemütliche Oasen, bewegliches Mobiliar und offene Räume. Alles war auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet. Und vom SAP AppHaus bekamen wir auch gleich die von ihnen entwickelte Mosaic-Methode vorgestellt, mit der jedes Unternehmen eigene zukünftige kreative Raum entwickeln kann:

MOSAIC Die Mosaic-Übung besteht aus drei Schritten. Im ersten Schritt werden alle Aktivitäten gesammelt, die während eines Arbeitstages auftreten können: Vom konzentrierten Lesen, über lautes Telefonieren, bis bin zum Power Napping nach dem Mittagessen. Im zweiten Schritt werden die gesammelten Tätigkeiten nach Kontext, räumlichen Anforderungen und Lärmpegel geclustert. Im letzten Schritt wird aus diesem Bedürfnisclustern ein Büroraum (neu) gestaltet, indem die Aktivitätskarten auf einen bestehenden oder noch zu gestaltenden Raumplan gelegt werden. Fertig ist das Wunschbüro!

Agilität bedeutet Ausprobieren. Wenden Sie doch einfach mal eine Methode aus unseren neu gewonnenen New Work Hacks an und schauen Sie, ob sie Ihre Kultur bereichern können!

 Hier können Sie die Karten auch als PDF herunterladen.