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Die Entwicklung der Megatrend Workbox

Mit unserer neuen Megatrend Workbox haben wir uns zwei Aufgaben gegeben:

  1. einen Überblick über die wichtigsten Veränderungsprozesse zu verschaffen
  2. Trends so aufzubereiten, dass diese möglichst direkt in Innovationsideen überführbar sind

In diesem Artikel gewähren wir einen Blick hinter die Kulissen des Entwicklungsprozesses und zeigen, wie wir die Trends und Innovationen ausgewählt haben und welche Recherche der Auswahl zu Grunde lag.

1. Ein Überblick wichtiger Veränderungen

Die erste Aufgabe erfüllen die Megatrends von sich aus sehr gut. Megatrends beschreiben Wandel, der meist langsam, aber unaufhaltsam alle Bereiche unserer Gesellschaft verändert. Digitalisierung, Globalisierung, der demografische Wandel, der Aufstieg der Frauen, Urbanisierung und Individualisierung verändern unsere Gesellschaft. Gesundheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit sind Werte, die an Relevanz hinzugewinnen. All das hat Auswirkungen darauf, wie wir arbeiten, lernen und uns fortbewegen. Auf Grund ihrer Allgegenwärtigkeit und ihrer Wirkdauer von mehreren Jahrzehnten ist am Bestehen und der Relevanz dieser zwölf „Wellen des Wandels“ kaum zu zweifeln. Und Anzeichen dieser Veränderungen finden sich überall.

Gleichzeitig sind die Megatrends aber so weitreichend und allumfassend, dass sie als bloßes Stichwort nicht mehr ausreichen, um konkrete Innovationspotenziale zu erkennen. Klar, alle wollen digitalisieren, ihre Unternehmenskultur modernisieren und ökologischer werden. Aber wie genau kann das aussehen? Hier sind „kleinere“ Trends hilfreicher, die kurzfristigere und konkretere Entwicklungen beschreiben. Natürlich ist hier die Gefahr umgekehrt: es gibt wahnsinnig viele „neueste Trends“, Hypes, Moden und kleine Nischen, in denen man sich leicht verlieren kann und dabei möglicherweise auch auf ein falsches Pferd setzt.

Für die Workbox haben wir deshalb einen Mittelweg gewählt: Jedem Megatrend haben wir fünf Subtrend-Strömungen zugeordnet, die für sich auch schon eine gewisse Bandbreite und Relevanz erreicht haben und bereits – ähnlich wie Megatrends – mehrere Spielarten von Innovationen in verschiedenen Branchen und Anwendungsgebieten hervorgebracht haben.

Um diese fünf Trendströmungen zu finden, sammelten wir zunächst aus unserer eigenen Trend- und Innovationsdatenbank sowie aus weiteren Trendstudien fast 500 aktuelle Trendphänomene zusammen. Diese Trendphänomene fassen jeweils schon eine Reihe von Beobachtungen von Entwicklungen in einem Trendbegriff zusammen. Aus diesen Trendphänomenen haben wir für jeden Megatrend die relevanten Begriffe ausgewählt und in große Wortwolken sortiert: Miteinander verwandte Phänomene stehen nahe beieinander, sodass sich in jedem Megatrend verschiedene thematische Cluster ausmachen lassen.

Im Megatrend New Work haben wir beispielsweise 10 grobe Cluster ausgemacht. Nur drei Trendcluster (um Talentismus, Agile Company und Co-Creation, in beige) sind relativ eindeutig Stränge des Megatrends New Work. Die anderen Cluster lassen sich hingegen sehr klar auch anderen Megatrends zuordnen und sind in der entsprechenden Farbe des jeweiligen Megatrends gehalten: So sind z.B. Corporate Health, Sportivity und Mindful Business (im blauen Kreis oben) zwar ein Teil des Megatrends New Work, aber ebenfalls Teil des Megatrends Gesundheit.  Zwei dieser Hybrid-Cluster haben wir am Ende ebenfalls dem Megatrend New Work zugeordnet: Der Trend um Work-Life-Blending und Work-Design hat eine große Schnittmenge zur Individualisierung (gelb). Die Industrie 4.0 hingegen wird stark von der Digitalisierung/Konnektivität (orange) angetrieben.

Daraus ergeben sich unsere fünf Trendströmungen des Megatrends New Work:

  • Automatisierung 4.0: Eine Erweiterung der Industrie 4.0 um die Debatte um Automatisierung, Künstliche Intelligenz und den Verlust von Arbeitsplätzen
  • Work-Life-Matching:  Die Integration von Work-Design und der Sinn-Suche im Job ins Work-Life-Blending bzw. die Work-Life-Balance
  • Agile Company: Der Wunsch, im Unternehmen schnell, kreativ, eigenverantwortlich und mit guter Laune auf eine zunehmend unsichere Welt reagieren zu können
  • Talentismus: Die Wichtigkeit, die richtigen Talente im Unternehmen zu haben
  • Co-Creation: Die Auflösung traditioneller Abteilungs- und Unternehmensgrenzen insbesondere in Innovationsprozessen

Da jeder dieser fünf Cluster mehrere Trendphänomene enthält bzw. mit diesen eng verknüpft ist, sind Relevanz und Bandbreite mit dieser Auswahlmethode gegeben. Ein Teil der verwandten Trends und Unter-Aspekte der Cluster finden sich in Form des Trendkreises auch auf den Karten wieder – eine orientierende Überblicksfunktion erfüllen die ausgewählten Trends auf diese Weise auch in der Workbox.

Und so entstand der erste Entwurf von 12 x 5 Trends, die wir dann nach und nach mit inspirierenden Best Practice-Beispielen verknüpften:

2. Trends mit Innovationspotenzial

Durch die Auswahl von fünf wichtigen Trendströmungen zu jedem Megatrend war der erste Überblick geschafft, aber können diese Trendströmungen auch mehrere in ihrer Ausrichtung oder Anwendung verschiedenartige Innovationen hervorbringen?

Auf der Rückseite jeder Trendkarte befindet sich eine für diesen Trend beispielhafte Innovation, die – neben der Beschreibung des Trends selbst – zu neuen Ideen inspirieren soll. Selbstverständlich gibt es für jeden der ausgewählten Trends auch noch eine lange Liste weiterer Umsetzungsbeispiele. Um zu gewährleisten, dass die Trends aber tatsächlich für verschiedene Branchen eine Vielzahl potenzieller, kreativer Lösungen inspirieren können, haben wir uns als Prüfkriterium gesetzt, neben dem Beispiel auf der Karte noch zwei weitere existierende, ebenso spannende Innovationen zu finden, die nochmal in ganz andere Richtungen gehen, unterschiedliche Aspekte des Trends angehen oder andere Anwendungsbereiche oder Zielgruppen erschließen.

Nehmen wir als Beispiel den Trend Cybersecurity. Das Beispiel auf der Karte ist nexenio, ein Berliner Startup, das „behavioral authentification“ für Endverbraucher entwickelt: die Möglichkeit, sich über bestimmte individuelle (und nicht nachahmbare) Mikro-Bewegungsmuster in sein Telefon einzuloggen.

Die drei gefetteten Innovationsprinzipien bieten (etwas vom Beispiel abstrahiert) bereits drei Aspekte, die bei der Entwicklung von Innovationen im Bereich der Cybersecurity eine Rolle spielen können:

  • Welche (bisher unbedachten) individuellen Charakteristika können Authentifizierungsmittel sein?
  • Wie kann Sicherheit unablässig und gleichzeitig unaufdringlich gewährleistet werden?
  • Wie geht ein Produkt mit dem Trade-Off zwischen Sicherheit und einfacher Bedienbarkeit um?

Das Beispiel ist eine App, die den Zugriff auf beliebige sensible Daten regelt. Welche völlig anderen Richtungen hätte das Beispiel also stattdessen einschlagen können?

Xapo ist ein Unternehmen aus Hong Kong, das eine spezielle Bitcoin-Wallet anbietet, also eine Aufbewahrungsmöglichkeit für virtuelle Währungen. Statt auf eine besonders clevere Software-Lösung setzt das Unternehmen dabei allerdings auf ganz traditionelle, bautechnische Sicherheit. Datenträger mit den Verschlüsselungscodes für die digitalen Schätze (oftmals in Millionenhöhe) liegen in einem speziell verkabelten – aber selbstverständlich nicht mit dem Internet verbundenen – Server in einem versiegelten Raum in einem faradayschen Käfig hinter einer schusssicheren Schleuse hinter einer atomexplosionssicheren Stahltür hinter einer weiteren schusssicheren Schleuse in einem ehemaligen Bunker unter den Alpen.

Auch hier handelt es sich um einen Anbieter einer Lösung für die Sicherung eines Datenzugriffs, aber ansonsten könnten die Beispiele kaum unterschiedlicher sein. Statt modernster Sensortechnik setzt das Unternehmen auf Offline-Technologie, Stahl, Beton und ganz viele separate Überprüfungen. Hier basteln nicht ein paar junge Idealisten an einfacheren Handy-Lösungen für jedermann, sondern internationale Industrie-Veteranen bieten das Sicherste vom Sichersten für zahlungskräftige Kunden.

Das Beispiel bietet folgende Denkanstöße für Cybersecurity-Innovationen:

  • Alles, worauf man online oder physisch zugreifen kann, ist nie ganz sicher.
  • Manchmal ist alte Technologie einfach gut erprobte Technologie.
  • Wo große Werte geschützt werden müssen, kann sich aufwändigerer Schutz lohnen

Da damit das Spektrum möglicher Innovationen zwischen diesen beiden Extremen relativ gut abgesteckt scheint, betrachten wir noch ein Beispiel, was orthogonal zu den beiden bisherigen steht:

Die Girl Scouts of America führen dieses Jahr ein Abzeichen für Cybersecurity ein. Über die nächsten zwei Jahre können Mädchen vom Kindergartenalter bis zur 12. Klasse auf diese Weise Fähigkeiten in diesem Bereich erlernen – angefangen von Datensicherheit und sicherem Onlineverhalten für die Jüngeren, hin zu Programmier- und (ethischen) Hackerkursen für die Älteren.

Hier handelt es sich weder um eine Software- noch um eine Hardware-Lösung. Es geht nicht um Datenzugriff, sondern um ein sehr weit gestecktes Feld von Cybersecurity-Themen. Der Ansatz ist sowohl Ausdruck davon, wie weit das Thema Cybersecurity inzwischen in die Gesellschaft hineinreicht, und ist gleichzeitig ein Schritt, es noch mehr in unseren Alltag zu bringen. Statt auf Nutzer, die sich sorgen müssen (Xapo), oder Nutzer, die sich möglichst wenig sorgen wollen (nexenio) setzt er auf Nutzer, die sich – aus Interesse – gerne sorgen wollen. Gleichzeitig sind Kinder als Zielgruppe selbst in der recht breit gesteckten Zielgruppe von nexenio vermutlich höchstens ein Nebengedanke. Weitere mögliche Denkanstöße, die die Cybersecurity-Badge bietet:

  • Wie schaffen wir eine größere Bekanntheit für Cybersecurity-Themen?
  • Woher bekommen wir (in Zukunft) Experten für das Thema?
  • Inwieweit ist Cybersecurity auch ein Gender-Thema?

Letztendlich hat es immer nur ein Beispiel auf die Karte geschafft – wir haben aus Gründen der Übersicht und Handhabung immer das Beispiel ausgewählt, das am besten auch über den jeweiligen Trend und seine eigene Branche hinaus zu innovativen Ideen inspirieren kann. Dennoch wollen wir unseren weiteren Innovationsfundus natürlich gerne teilen, weshalb wir in Zukunft immer wieder einzelne Trends in Blogposts wie diesem in den Fokus rücken werden, und dann weitere spannende Best Practices, andere Richtungen und aktuelle Entwicklungen betrachten.