Was macht eigentlich ein Innovationsforscher?

By 8. Januar 2018 Juli 29th, 2019 Erlebnisbericht

Erfahrungsbericht eines Innovationsreisenden

Die Zukunftsinstitut Workshop GmbH kreiert viele Innovationsworkshops für Unternehmen. Meine tägliche Arbeit besteht also zu einem großen Teil aus dem Planen und Durchführen solcher Workshops, offener Seminare und Trendexpeditionen. Mein Jobtitel lautet “Innovationsforscher”, und was das (für mich) bedeutet, möchte ich mit einer persönlichen Retrospektive des letzten Jahres illustrieren.

Alexa zieht bei mir ein

Innovationen, die Spaß machen….

Zu den „Brand Behavior Expressions“, die wir Anfang des Jahres 2017 auf unserer Strategieklausur gemeinsam herausgearbeitet haben, gehört unter dem Punkt “authentisch” die folgende:

“Wir versuchen alles, worüber wir reden, selbst auszuprobieren.”

Zu Beginn dieses Jahres sind entsprechend zwei Amazon Echos bei mir zu Hause eingezogen. Fazit: Alexa – so der Name von Amazons digitalen Sprachassistenten – steuert entlegene Lampen und berichtet halbwegs zuverlässig über das momentane Wetter. Die große Voice-Revolution fällt bei mir bisher jedoch aus. Dafür ist Alexa noch nicht smart genug.

…bei denen man sich aber trotzdem etwas bescheuert vorkommt

Ich habe dieses Jahr viele Gelegenheiten genutzt, verschiedene Virtual Reality-Anwendungen auszuprobieren (gerne mehr davon!). Auf der CeBIT gab es nicht nur eine (noch sehr holprige) Hololens auszuprobieren, sondern ich durfte auch mit einem autonomen Bus fahren, mich in einem smarten Spiegel bewundern und auf einen gamifizierten Toilettensensor urinieren.

Mit einem TellSpec  haben wir in unserer Coworking-Küche begonnen, die Inhaltsstoffe von Käse, Joghurt und Avocados zu bestimmen. Den revolutionären Food-Scanner aus den USA haben wir auch auf dem Nachhaltigkeitsforum der REWE Group gezeigt, das wir für den Handelskonzern ausgerichtet haben.

Mein Urlaub beginnt virtuell

Einen Urlaub in Florenz habe ich als Gelegenheit genutzt, eine ganze Reihe von Reise-Apps auszuprobieren. Der Preis für die größte Erleichterung ging dabeiganz spontan, wegen meines ausgefallenen Rückflugsan Flightright, die mit einer reibungslosen, kurzen App-Interaktion eine Entschädigung für mich organisiert haben.

Aarhus, DK: Die Zukunftsbibliothek Dokk1

In der Europäischen Kulturhauptstadt Aarhus habe ich innovative Bibliotheks– und Museumskonzepte besuchtletzteres, das Moesgaard Museum, sowohl mit spannenden Virtual, als auch mit „Decreased Reality“-Anwendungen (Reduzierung von Wirklichkeitswahrnehmung). Die virtuelle Erweiterung dominiert jedoch: Selbst bei einem Kurztrip ins niederländische Tilburg gab es eine Tunnelpassage zu begutachten, deren Design mit Virtual Reality-Prototyping getestet wurde.

Bei Gadgets und Geräten befinde ich mich natürlich in meiner Komfortzone, und wer Neues ausprobiert, muss die Komfortzone gelegentlich auch verlassen. Dieses Jahr habe ich bei Nieselregen mitten im Wald eine Einführung ins Contact-Impro-Tanzen bekommen, war fasziniert von den so verschiedenen und gleichzeitig doch so gleichartigen Besuchern der Städelnacht, und habe Gruppen-Blind-Dates inzwischen zu so etwas wie einem Hobby gemacht.

Das Glück der unerwarteten Entdeckung

Tatcraft in Frankfurt

Ich habe 2017 mehr als 20 Innovationsorte (viele Coworking-Spaces und Startup-Büros, aber auch eine Industriehalle und eine Zahnarztpraxis) besucht und dort arbeitenden Menschen über die Schulter geschaut. Ich habe mich außerdem mit zahlreichen Gründern unterhalten, mit Programmierern von Künstlicher Intelligenz, agilen Führungskräften, aber auch mit Leitern von Flüchtlingsinitiativen und Pflegestationen, einer Urban Gardening-Organisatorin und dem Vorsitzenden eines tschetschenischen Kulturzentrums.

Tschetschenisches Kulturzentrum in Berlin

Ich habe an die 30 Startup-Pitches angehört, war bei Agile-, Design Thinking- und Innovations-Meetups, FuckUp-Nights, auf Startup-Safari, bei einem D-Flect und (mein Jahreshighlight) auf der meConvention. Nur einen Teil dieser Erfahrungen habe ich direkt im Rahmen von Workshop-Aufträgen oder von uns veranstalteten Trendexpeditionen gemacht.

Doch auch für einen Innovationsforscher gilt: Die besten Ideen entstehen nicht im Büro. Das Glück der unerwarteten Entdeckung, Serendipity, benötigt den Zufall. Dafür muss man seinen eigenen (kleinen) Kosmos verlassen. Das ist auch das Versprechen meiner Firma, der Zukunftsinstitut Workshop GmbH: „Wir holen Sie raus aus Ihrer Welt.“

(Dieser Blog-Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Artikels von Michael Kirmes auf Medium)