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Vom Traum zur Umsetzung – Menschzentriertes Projektmanagement mit Dragon Dreaming

– Lesedauer 8 Minuten –

Was ist Dragon Dreaming?

Über Dragon Dreaming gibt es keinen Wikipedia Eintrag und auch kein Buch. Die meisten Informationen finden sich auf einer Website mit .org Domain. Die Dragon Dreaming Community versteht sich als  „Empty Centered Organisation“ aus Praktizierenden und Trainern, die lose über das Internet und verschiedene Treffen verbunden ist. Dennoch ist die Methode weltweit verbreitet, insbesondere unter Social Business Unternehmern sowie in Vereinen und anderen Gemeinschaftsprojekten wie Urban Gardening Initiativen oder in Öko-Kommunen, wie der Gemeinschaft Schloss Tempelhof in der Nähe von Stuttgart.
Entgegen dieser Praxis bietet die Methode jedoch ebenfalls für Unternehmen enormes Potenzial. Denn sie setzt da an, wo viele Prozessoptimierungen aufhören: beim Menschen. Warum verlaufen so viele Projekte im Sand, obwohl sie für die Zukunft des Unternehmens extrem relevant sind? Warum verlieren Mitarbeiter die Motivation? Was braucht ein Team, um erfolgreich Projekte umzusetzen?

Geschaffen wurde die Methode von John Croft, einem Australischen Organisationsentwickler und seiner verstorbenen Frau Vivienne H. Elanta. Dragon Dreaming ist von der Chaos- und Komplexitätstheorie sowie Systemtheorie und von Weisheiten der Aborigines inspiriert. Die leitende Frage ist: wie können Menschen in einer Gemeinschaft ihre Umwelt positiv gestalten?

Der Projektverlauf in Kürze

Dragon Dreaming Projektverlauf | (c) Zukunftsinstitut Workshop

TRÄUMEN – Jedes Dragon Dreaming Projekt startet mit einer Traumphase. Häufig entspringt ein Traum der Vision einer Einzelperson. Zur Umsetzung kommt es aber nur, wenn diese Person in der Lage ist, ihren Traum mit anderen zu teilen, ihn sozusagen aufzugeben um ihn zu einem kollektiven Traum werden zu lassen. So werden unterschiedliche Bedürfnisse offengelegt und können im Verlauf des Projekts adressiert werden, sodass einem Scheitern aufgrund von fehlender (intrinsischer) Motivation vorgebeugt werden kann. In einem Traumkreis wird das Vorhaben so lange gemeinsam weiter geträumt und dokumentiert, bis niemand mehr etwas hinzuzufügen hat. Hinzugefügt wird alles, was dazu führt, dass jeder einzelne am Ende des Projektes sagen kann „ich hätte meine Zeit nicht besser verbringen können“. Ziel dieser Phase ist es, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, eine die von allen voll getragen wird. Das führt dazu, dass das Team nicht allein „der Sache wegen“ zusammenarbeitet. Der kollektive Traum ist ein Anlass, das persönliche Wachstum durch die Arbeit im Team voranzubringen und so sich selbst, das Team und auch die globale Gemeinschaft positiv zu beeinflussen.

PLANEN – Bei der nächsten Phase, dem Planen, werden mithilfe eines physischen Projektplans, dem „Karabirrdt“ anhand der dokumentierten Traumphase Aktionen („Abenteuer“) generiert, die dazu führen, dass 100 Prozent des Traumes wahr werden. Der Begriff Karabirrdt kommt aus der Kultur der westaustralischen Aborigines und bedeutet  Spinnennetz. Mehr Spielplan denn Roadmap, verleiht es dem Projekt einen leichtfüßigen Charakter. Eine besondere Herausforderung liegt darin, dass es entgegen unseres gelernten Verständnisses keinen zeitlichen Ablauf darstellt, sondern zeitliche, personelle, logistische (usw.) Zusammenhänge in „chaordischer“ Form abbildet und immer wieder verändert werden kann. So können alle Aspekte eines Projekts darauf geplant, wiedervorgelegt und sogar budgetiert werden.

MACHEN – Mithilfe des Karabirrdt wird auch die nächste Phase des Projekts vorangebracht: das Machen. Gemacht wird das, wofür die Mitstreiter brennen. Das heißt, Aufgaben werden nicht allein nach Kompetenz und Vorerfahrung verteilt. Auf nicht-hierarchische Weise formen sich Projektuntergruppen, die aus 3 Rollen bestehen: dem Enthusiasten (ist vom Abenteuer begeistert), dem Lerner (kennt sich schon ein wenig aus, möchte noch weiter lernen), Mentor (steht beratend zur Verfügung, ist aber eigentlich in einem anderen Abenteuer beschäftigt). Keines der Teammitglieder investiert in der Machen-Phase mehr Zeit und Energie als es sich für ihn gut anfühlt. Immer wieder kommt das Team zusammen, um gemeinsam zu reflektieren und den Plan anzupassen.

FEIERN – Der letzte Teil des Projektes besteht aus dem Feiern. Damit ist nicht unbedingt ein langer Abend mit Sekt und Häppchen gemeint, auch wenn sich sicher niemand darüber beschweren wird, wenn beides in ausreichendem Maße vorhanden ist. Ein Dragon Dreaming Team versteht diese Phase als Zeit der Reflektion, der Nachlese und gegebenenfalls auch des Trauerns, sollte das Projekt gescheitert sein. Teams die das Feiern vergessen und aus dem Machen direkt ins nächste Planen rennen, brennen früher oder später aus. Ihnen fehlt der Grund ihres Tuns und die Bewusstwerdung des Lernprozesses.

Im heutigen Arbeitsalltag werden einige der Phasen betont (Planen & Machen), während andere völlig vergessen werden (Feiern). Außerdem gibt es eine starke Arbeitsteilung: vom Chef wird erwartet, dass er die Vision hat (Träumen), seine Mitarbeiter sollen sie dann umsetzen und haben keinerlei Anteil am Traum selbst. Am Ende sagt wieder der Chef, was gut oder schlecht gelaufen ist. Das führt zu Unzufriedenheit und kann sogar ein Burnout zur Folge haben, wenn die Selbstbestimmung auf der Strecke bleibt. Die Kunst eines funktionierenden Teams besteht darin, alle Bedürfnisse und Temperamente zu orchestrieren und einen flowartigen Arbeitsprozess zu erschaffen, um so die ganze Energie der kollektiven Intelligenz zu nutzen. Das Feiern ermöglicht dabei eine gemeinsame Abschlussphase und bereitet den Boden für das nächste Projekt, den nächsten Traum.

 Jede der vier Phasen ist in sich ebenfalls wieder in Träumen, Planen, Machen und Feiern unterteilt, sodass auch jede einzelne diesem als natürlich empfundenen, menschlichen Denk- und Arbeitsrhythmus entspricht und die Schritte nahtlos ineinander übergehen. Für jede Phase gibt es unterschiedlichste Methoden, mit denen das Vorankommen unterstützt werden kann. Eine Auswahl haben wir am Ende des Artikels als „Dragon Dreaming Starter Set“ für Sie zusammengestellt.

Das Dream Team

Dream Team | (c) Zukunftsinstitut Workshop

Dragon Dreaming basiert auf der kollektiven Intelligenz des Teams. Die Methode unterscheidet vier Persönlichkeitstypen, die sich im Projekt ergänzen. Stockt das Vorhaben, kann das Problem unter anderem anhand der Zusammensetzung des Teams diagnostiziert werden. Es gibt „Träumer“, „Planer“, „Macher“ und „Feierer“, deren Stärken in den entsprechenden Projektphasen liegen. Natürlich trägt jeder Mensch alle vier Aspekte in sich, doch nur einer oder zwei sind besonders stark ausgeprägt.

Der Drache im Dragon Dreaming

Persönliches Wachstum kann nur erreichen, wer sich seinen Ängsten stellt, sich aus der eigenen Komfortzone hinausbewegt. Diese „Drachen“ können auch verhindern, dass ein Projekt realisiert wird. Aus diesem Grund stellen sich die Teammitglieder bewusst immer wieder ihren Drachen und versuchen sie als Gemeinschaft zu überwinden. Der „Drache“ ist eine Möglichkeit, Worte für abstrakte Gefühle und Wahrnehmungen zu finden und spielerisch damit umzugehen.

Business Relevanz

Für viele Fragen, die sich Unternehmen heute, in Zeiten von Digitalisierung und Komplexitätssteigerung stellen, findet sich im Dragon Dreaming eine Antwort. Die Relevanz der Methode ergibt sich aus der Tatsache, dass sie in ihrer zugrundeliegenden Philosophie dem Mindset-Shift entspricht, der sich aktuell durch das gesamte Wirtschaftssystem zieht. Einem Shift von „Work“ zu „New Work“, von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, von der Optimierung zur Kreativität, vom Produkt zum Kunden. Wir sind auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie Unternehmen nachhaltig erfolgreich und damit zukunftsfähig sein können. Methoden wie Dragon Dreaming antworten darauf: indem wir den Menschen wieder ins Zentrum rücken, Arbeit Sinn verleihen und durch Wirtschaft tatsächliche Werte für die globale Gemeinschaft generieren, anstatt Gewinne von denen nur einzelne profitieren.

Paradoxes Denken: Win-win-win

Innovation entsteht oft dort, wo Probleme unüberwindbar erscheinen. Zum Beispiel wollen wir die Umwelt schützen, aber nicht auf Kosten des Unternehmenserfolgs. Oder eine Nummer kleiner: wir wollen uns gesund ernähren, aber lieben Fleisch. Beim Dragon Dreaming werden solche scheinbaren Widersprüche als Chance für positive Veränderung sowie persönliches und gemeinschaftliches Wachstum begriffen. Wenn man das „aber“ mit „und“ ersetzt, eröffnet sich ein Lösungsraum, der ungehobenes Innovationspotenzial freilegt. Denn wer sagt denn schon, das Umweltschutz und Gewinnmaximierung gegensätzlich sind? Oder gesunde Ernährung und Fleischkonsum? Tatsächlich werden aktuell große Summen Investitionsgelder in die Erforschung von „Clean Meat“ gesteckt, also Fleisch, das aus wenigen tierischen Muskelzellen gezüchtet werden kann. Paradoxes Denken führt in Teamkonstellationen außerdem zu Win-Win-Win-Situationen, anstatt die Bedürfnisse von Personen die sich besonders gut durchsetzen können zu bevorzugen. Wenn Sie also das nächste mal vor einem scheinbar unlösbaren Widerspruch stehen, ersetzen Sie das „aber“ durch „und“ – Sie werden überrascht sein, was passiert!

Paradoxes Denken | (c) Zukunftsinstitut Workshop

 

Dragon Dreaming – ein Mindset-Shift

Tabelle: Vergleich von klassischem Projektmanagement mit Vorgehen im Dragon Dreaming

Klassisches Projektmanagement
Dragon Dreaming
Der Fokus liegt auf dem…
Ergebnis
Persönlichen Wachstum
Entscheidungen werden getroffen von…
Entscheidungsträger
Kollektiver Intelligenz
Weltbild
Win-Lose (Knappheit)
Win-Win-Win (Fülle)
Der Arbeitsprozess verläuft…
Linear
Chaordisch
Menschenbild
X (Menschen sind faul)
Y (Menschen sind intrinsisch motiviert)
Das Projekt dient dem…
Unternehmen
Individuum, Gemeinschaft, Erde
Interaktion
Bewertung
Wertschätzung

Dragon Dreaming Methoden zum Mitnehmen

Das Trend-Innovation-System-Special zu Dragon Dreaming können Sie hier herunterladen. (3,7 MB)

Wo gibt es weiterführende Informationen?