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Trendexpedition „The Skyline of New Work“ in Frankfurt

By 14. Juli 2017 Juni 3rd, 2018 Juliane Bublitz, Erlebnisbericht, Worktool

Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Unsere Trendexpedition durch Frankfurt führt an die Orte des Wandels.

Die Arbeitswelt verändert sich. Unmerklich vielleicht vom eigenen Schreibtisch aus betrachtet, doch grundlegend, wenn wir uns Konzepte wie Holokratie, agile Arbeitsformen wie Design Thinking oder auch neue Bedürfnisse wie das „bleasure Paradigma“ (business + pleasure) ansehen. Dieser Vorgang ist eines der momentan meist diskutierten gesellschaftlichen Themen. Doch wie sieht er genau aus, dieser Wandel? Was bedeutet der Megatrend New Work für Unternehmen, Arbeitnehmer, Freelancer oder gar das System an sich? Darüber gibt es viel zu lesen und zu lernen. Doch um die Sache wirklich zu begreifen, reicht es nicht, sie vom Schreibtisch aus zu erkunden: „Betrachten heißt, neue Blickwinkel erschließen“, schreibt schon Lucius Burkardt, der Begründer der Spaziergangswissenschaft. In dieser Manier sind wir am 20. Juni aufgebrochen und haben Menschen in Frankfurt an ihren „Wirkungsorten“ persönlich getroffen, die Arbeit neu denken – hello „New Work City“ 🙂

Der Start: Achtsamkeit

Auf der Warteliste für das „Search Inside Yourself Programm“ der Softwarefirma SAP stehen 5000 Personen. Fast ebensoviele haben den Weg zu mehr Achtsamkeit im Arbeitsleben bereits angetreten berichtet Andreas Wirth, Development Manager und Achtsamkeits-Coach. Nach einer praktischen Übung zur Einstimmung auf den Tag, erzählt er, wie aus einer kleinen „Graswurzel-Initiative“ eine unternehmensübergreifende Bewegung wurde, die sich inzwischen sogar positiv auf die Kennzahlen auswirkt. Die Mitarbeiter haben weniger Stress und sind grundsätzlich zufriedener mit Leben und Arbeit. Das macht sie kreativer und produktiver. Die größte Herausforderung sei es, Achtsamkeit und Meditation aus der Esoterikecke zu holen, so Wirth. Doch wie falsch kann ein Training schon sein, wenn es ursprünglich aus dem Silicon Valley — um genau zu sein: von Google — kommt?

Station 2: Neue Flexibilität

Seit Anfang des Jahres können Selbstständige oder Start-up-Teams nicht nur ein eigenes Büro oder einen Schreibtisch tage- oder monatsweise mieten, sondern bei Bedarf auch gleich die eigenen Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren mitbringen. Diese werden im Co-Work and Play professionell betreut, während Mama und/oder Papa im Nebenraum arbeiten. Jana Ehret, eine der beiden Gründerinnen, wollte für ihre Kinderplanung erst einmal einen Ort schaffen, an dem sie ihre eigenen und die Träume ihrer Kinder zusammenbringen kann. Der Coworking-Space im Frankfurter Ostend steht damit für ein neues Familienbild, in dem Eltern ganz selbstverständlich ihrer Berufung nachgehen können, ohne auf den Spielspaß mit ihren Kindern verzichten zu müssen (und umgekehrt!). Unter Trendforschern wird dieses Phänomen mit dem Begriff „Work Life Blending“ betitelt, also der Verschmelzung von Arbeit und Leben zu einer untrennbaren Einheit.

Station 3: Permanent Beta

In Frankfurt Fechenheim hat vor kurzem der modernste Makerspace in Europa eröffnet. Die vollständig App-gesteuerte High-Tech-Werkstatt ermöglicht es, Ideen vom Einzelstück bis zur Kleinserie zu konzipieren und auf die Straße zu bringen. Damit reiten die Gründer eine Welle, die aktuell das produzierende Gewerbe umwirbelt: es geht um die Demokratisierung der Produktion, um die Rückeroberung der Städte durch die Industrie („urban manufacturing“), um die Freude am Experiment und das Mindset des „Permanent Beta“, die ewige Veränderung, das große Lernen. Florian Leiss, Community Manager des Teams, führt uns über die 1500qm Fläche: „Hier entsteht der Baumarkt, hier die Nähwerkstatt und dort steht der aktuell größte, nicht industrielle 3D-Drucker der Welt.“ Anders als in andern Maker Spaces stehen im Tatcraft nagelneue Maschinen. Die Hersteller nutzen das Tatcraft als Showroom für potenzielle Kunden, die sich die Maschinen in Aktion ansehen können. Neben der Möglichkeit, selbst Computer-Hardware, Mode, Motorräder, oder Schränke zu bauen sollen Besucher in Zukunft auch im Restaurant auf dem Dach des alten Fabrikgebäudes essen oder Veranstaltungen mit Blick in die Halle abhalten können. Ein wahrhaft magischer Ort!

Station 4: Corporate Culture

Auch große „Dampfer“ müssen gelegentlich den Kurs ändern. Daher experimentiert unter anderem die Deutsche Bahn fleißig in Sachen Unternehmenskultur. Agile Methoden hier, Intrapreneurship Programm dort und natürlich (!): ein Innovation Space, das Skydeck, ganz oben im Silberturm. Mit Blick auf das Herz des Unternehmens, den Hauptbahnhof, treffen wir bei unserer Trendexpedition Darren Cooper, der seine Aufgabe augenzwinkernd mit „für alle Kaffeekochen“ beschreibt. Er berichtet hautnah davon, wie neue Arbeitskonzepte bei der Bahn mit echtem Leben gefüllt werden, anstatt Wunschträume zu bleiben. Beispielsweise werden Mitarbeiterideen im unternehmenseigenen Accelerator bis zur Marktreife be- und ge-fördert. Außerdem sollen in der IT 200 selbstorganisierte Teams anstelle der bisherigen Hierarchiestruktur etabliert werden. Die Bahn erhofft sich dadurch, schneller agieren und vor allem innovieren zu können, eine Fähigkeit, die Unternehmen ab einer gewissen Größe aufgrund von komplexen Strukturen im Normalfall abhanden kommt.

Station 5: Creative Spaces

Eigentlich waren wir ja schon den ganzen Tag an Orten, die Kreativität zum Sprudeln bringen. Das VABN eröffnet dann aber noch einmal eine neue Perspektive auf die Themen Coworking und Architektur. Der Betreiber, die Immobilienfirma Aurelis, hat sich gefragt, was denn wohl ihre Kunden der Zukunft sind und welche Bedürfnisse diese an ihre Arbeitsumgebung haben. In einer leerstehenden Büroetage am Westbahnhof entstand eine Fläche, die insbesondere von Fin Tech Startups genutzt werden sollte, um deren Anforderungen an Räumlichkeiten und Infrastruktur zu erforschen. Die architektonische Grundidee: Unternehmen wie diese verändern schnell ihre Größe. Kommt ein hohes Investment rein, werden schnell neue Mitarbeiter eingestellt und diese benötigen Raum. Daher sind die Wände des VABN flexibel verschiebbar und lassen sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Inzwischen haben die Verantwortlichen Elmar Schütz und Franz-Josef Neumann viel gelernt und planen die nächste „Iterationsrunde“ – wir sind gespannt, wie es weitergeht!

Und was heißt das für uns?

Der beste Input ist hinfällig, wenn man ihn nicht zu nutzen weiß. Aus diesem Grund haben wir unsere Teilnehmer nicht nur durch Frankfurt bugsiert, sondern sie außerdem zu Trendscouts ausgebildet. Erkenntnisse konnten in ein vorstrukturiertes Notizbuch eingetragen werden. An jeder Station kamen Methoden zum Einsatz, die dabei helfen, bessere Informationen zu generieren oder die Erfahrungen in den gesamtgesellschaftlichen Wandel einzuordnen. Am Ende des Tages wurden in einer gemeinsamen Reflektions-Session Ableitungen für die jeweiligen Herkunftsunternehmen getroffen, denn wir wissen: Best Practices allein reichen nicht. Jedes Unternehmen muss in seinem speziellen Kontext betrachtet werden. Veränderungen können nur angestoßen werden, wenn sie zu eben jenem Kontext passen.

Sie haben die Trendexpedition verpasst? Macht nichts! Die nächste Tour ist schon in Planung. Bis dahin: folgen Sie doch einfach unserer Spur! In unserem Shop finden Sie einen Do-It-Yourself-Tourguide unserer Route zum selbst Nachreisen.

Weitere inspirierende Innovationsorte in Frankfurt finden sie auf der „Innovation Map“  sowie in der Frankfurter Spezialausgabe von „Berlin Valley“.

Mehr Fotos von unserer Trendexpedition gibt es zudem auf unserer Facebook-Seite.