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Experte Jörn Gutowski in der „Höhle der Löwen“

By 12. Dezember 2016Juli 29th, 2019Trends & Analysen

Gleich drei Angebote für ein Investment bekam Jörn Gutowski, Gründer des Berliner Startups Try Foods und einer unserer Cross-Innovation-Experten, bei seinem Pitch in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf VOX (Ausstrahlung November 2016). Try Foods bieten seit 2013 Probiersets für besondere Lebensmittelsorten z.B. von Kaffee, Salz, Schokolade oder Olivenöl. In der Sendung angenommen hat er das Angebot von Unternehmer Frank Thelen, mit dessen Unterstützung und Know-How er seinen online Markenauftritt ausbauen wollte. Letztendlich ist der „Deal“, wie es in dem beliebten TV-Format heißt, nicht zustande gekommen. Doch Jörn Gutowski hat auf ganz andere Art von seinem Auftritt profitiert. Wie, das erzählt er uns im Interview.

  1. Die „Höhle der Löwen“: Wie wars? Wie kamst du dazu, in der Sendung zu pitchen? Kommt man mit den anderen Gründern ins Gespräch?

 Schon bei der ersten Staffel dachte ich: da müsste ich mich mal bewerben. Doch es brauchte bis zur dritten Staffel, bis ich das kurze Onlineformular ausfüllte. Dabei dachte ich, dass ich es sicher nicht gegen die inzwischen tausenden von anderen fantastischen Start Up Ideen schaffen würde. In dem mehrstufigen Bewerbungsprozess folgte auf die erste schriftliche Bewerbung eine zweite, etwas ausführlichere. Anschließend führte dann ein kleines Fernsehteam ein Casting-Interview mit mir hier in Berlin. Anfang des Jahres kam schließlich das „Go“, dass ich dabei bin und im März wurde gedreht.

Am Drehtag selbst war ich natürlich sehr aufgeregt, saß dann aber tatsächlich zwölf Stunden am Set und wartete auf meinen Auftritt. Dadurch, dass die Sendung einmal komplett am Stück gedreht wird und die „Löwen“ spontan entscheiden, wie viel Zeit sie sich für jeden einzelnen Kandidaten nehmen möchten, wie viele Fragen sie stellen und so weiter, kann einer der Pitches schon mal zwei Stunden dauern! In der Wartezeit wurde ein Backstage Interview mit mir geführt und ich kam ins Gespräch mit den anderen Kandidaten. Wir sind sehr kollegial miteinander umgegangen, schließlich tritt niemand gegen den anderen an. Und ein wenig „Business“ sprang dabei auch heraus: Joidy, eine Geschenkeapp, deren Gründer ebenfalls angetreten waren, haben die Try Foods Sets gleich in ihr Sortiment aufgenommen.

Mein Auftritt vor den „Löwen“ war dann überraschend nett. Es kamen kaum kritische Fragen, zumindest weniger, als ich erwartet hatte. Gleich am Anfang der Salzverkostung bemerkte ich Frank Thelens gelangweiltes Gesicht und dachte nur: „den habe ich schon verloren“. Am Ende hat das ja dann doch eine ganz andere Wendung genommen.

  1. Der Deal kam nicht zustande…was hast du trotzdem gelernt? Was hat dir Frank Thelen mit auf den Weg gegeben?

Es gibt viel Kritik am Thema der platzenden „Deals“. Eigentlich ist aber nur dieser Begriff verwirrend, denn bei so einem Pitch kann ein „Deal“ nichts anderes als eine Absichtserklärung sein. Die Löwen wissen vorher nicht, wer da kommt und es darf vorher auch keinerlei Kontakt bestanden haben. Als Grundlage für ihre Entscheidung dient allein der Pitch und die Q&A im Anschluss. Das ist bei Investorenpitches eigentlich immer so. Auf dieser Basis schreibt der Investor natürlich nicht gleich einen Scheck aus. Erstmal muss man gemeinsam schauen, ob Unternehmen und Investor tatsächlich zusammen passen und wenn ja wie.

Nach der Sendung habe ich mich daher recht zügig mit Frank Thelen getroffen und wir haben festgestellt, dass wir strategisch nicht zusammen passen. Er hat mir aber trotzdem mit einem Darlehen unter die Arme gegriffen und Try Foods vor der Ausstrahlung der Sendung unterstützt. Es musste z.B. sicher gestellt werden, dass unsere Server dem voraussichtlichen Ansturm standhalten können. Außerdem hat er mich einfach persönlich beeindruckt. Er ist wirklich ein „Getriebener“, der viele Projekte gleichzeitig steuert und sich dabei trotzdem sehr menschlich nah mit mir ausgetauscht hat.

Gelernt habe ich vor allem, wie viel Macht und Einfluss das Fernsehen doch noch hat, wo man es so regelmäßig für tot erklärt. Nach der Sendung hatte ich tatsächlich Kunden am Telefon, die fragten, ob sie dieses oder jenes ausverkaufte Produkt noch irgendwie bekommen könnten. Für mich war die Sendung die perfekte Plattform, denn letztendlich macht man dort nichts anderes als Werbung mit dem Unterschied, dass die Leute einem ihre ganze Aufmerksamkeit schenken, anstatt wegzuzappen. Sie wollen durch die Show Neues entdecken und verstehen. Bei mir passte das insbesondere daher so gut, weil ich ein erklärungswürdiges Produkt vertreibe, das sich nicht für jeden auf den ersten Blick erschließt.

  1. Welche Auswirkungen hatte dein Auftritt aufs Geschäft?

Seit der Sendung laufen vor allem die Logistik sowie das Lager- und Warenbestandsmanagement ganz anders. Wir haben uns im Vorhinein natürlich gut vorbereitet, trotzdem konnte keiner vorher sagen, wie viel mehr Bestellungen tatsächlich auf uns zukommen würden. Vom wirklichen Einfluss waren wir dann echt überwältigt: allein im Monat November, dem Monat der Ausstrahlung, haben wir unseren Jahresumsatz vom letzten Jahr verdreifacht. Dabei gab es keine Garantie für die Aussstrahlung. In letzter Sekunde hätte der Sender sich auch noch dagegen entscheiden können, zum Beispiel im Falle einer Naturkatastrophe, die dann im Sendeplan erstmal Vorrang hat. Wir hatten trotzdem 10 000 Produkte extra auf Lager – für Try Foods ein großes Investment. Wäre die Sendung – aus welchem Grund auch immer – nicht ausgestrahlt worden, hätten wir Insolvenz anmelden müssen.

  1. Pläne: Was kommt jetzt? Was machst du als nächstes? Wo geht’s hin mit Try Foods?

Vor Weihnachten wird es noch ein Try Set für Gin geben und im neuen Jahr ein Set für Kernöle. Ich möchte die Marke online noch stärker ausbauen und Try Foods als Probierexperten platzieren – durch neue Inhalte im Blog und mithilfe von Videos. Meine Vision ist es, eigene Flagshipstores zu eröffnen und Shop in Shop Konzepte umzusetzen. Dort möchte ich Verkostungen und Events anbieten.

Heute Abend lade ich auch noch zur Schokoladenverkostung in die Markthalle 9. Es ist schön, zur Abwechslung mal wieder etwas ganz nah am Produkt und im Austausch mit den eigenen Kunden zu machen.


jg2-2 Cross-Innovation-Experte Jörn Gutowski bei einem Workshop mit einem großen europäischen Getränkehersteller.

Cross-Innovation-Experte Jörn Gutowski bei einem unserer Workshops mit einem großen europäischen Getränkehersteller.