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Circular Economy – die neue Logik der Wirtschaft von morgen

By 6. Juli 2016Juli 26th, 2019Erlebnisbericht

Das europäische Nachhaltigkeitsnetzwerk Climate-KIC veranstaltet zusammen mit der IHK Frankfurt, eine spannende, neue Workshopreihe. Am 28. Juni waren wir von der Zukunftsinstitut Workshop GmbH mit dabei, als Christian Rudolph von next cylce über Wertschöpfungskreisläufe, die Grundlage der sogenannten Circular Economy, gesprochen hat. Außerdem mit dabei: innovative Eco-Startups wie „Energy from your Balcony“ oder „Sustainevent“, CSR-Berater sowie Branchenvertreter aus Hotellerie, Bau und Energiewirtschaft.

REPAIR

Circular Economy klingt nach hippen Business Modellen, doch der Workshop startet mit etwas Ordinärem: Müll… Ein sehr unübersichtliches Feld – nachvollziehbar, denn wer möchte schon im Abfall wühlen? Manche tun es trotzdem: Containern heißt es, wenn man in den Tonnen der Supermärkte fündig wird. Legal ist das nicht. Ebenso wenig darf der Endverbraucher rechtlich gesehen sein Elektrogerät öffnen, um es gegebenenfalls zu reparieren. Der Smartphonehersteller Fairphone und das Reparaturportal ifixit sagen solchen Regelungen den Kampf an: „If you can’t open it, you don’t own it!“

RENT

Aber muss man überhaupt noch besitzen? Mit „Don’t own it. Just enjoy it!“ wirbt das Startup byebuy, bei dem man Hightech-Produkte monatlich leasen kann. Product as a Service – die Wertschöpfungskette endet nicht beim Zeitpunkt des Kaufs. Der Nutzer ist nicht länger „Wertzerstörer“. Denn wenn ein neues Smartphone her soll oder ein anderer Laptop ausprobiert werden will, wird das aktuelle Gerät eingeschickt und weiterverliehen oder schlussendlich verkauft. Es gibt eine klare Kosumentenhierarchie: Gebrauchte Produkte aus den USA oder Europa werden erst in Asien und danach in Afrika wieder verkauft.

REUSE

In einem ewigen Fluss bewegen sich so auch die Waren bei reBuy. Bücher, CDs und mehr für einen Fixpreis ankauft. Doch wer will denn bitte schön noch meine alte Bravo Hits Doppel-CD aus den 90ern? Es gibt für alles Abnehmer, versichert Rudolph. Und so fangen viele an, für Dinge Geld zu nehmen, die früher im Privaten peer-to-peer verliehen oder verschenkt wurden. Die Shareconomy schont Ressourcen, kommerzialisiert aber Stück für Stück das Private.

SHARE

Ob es nur die Bohrmaschine ist, die ich mit der Nachbarin teile, oder mein Auto, das ich auf einer car-sharing Plattform einstelle, oder gar meine Wohnung, die ich mir mit Hilfe der zahlungswilligen AirBnB Gäste mitfinanziere – selbst Hochzeitskleider werden ver- und geliehen. Da fragt man sich welcher Megatrend stärker wiegt: Neo-Ökologie oder Individualisierung? Die Startups der Stunde erkennen das Potenzial dieser Widersprüche und wittern neue Geschäftsmodelle. Ein vielversprechendes Feld bei Leihservices ist das der Versicherung. Wer haftet für die Schäden am  Geliehenen? Insurance-Tech Startups kommen nicht nur dafür mit neuen Lösungen.

REDESIGN

Doch wer haftet für die Schäden an Mensch und Natur, die die Wirtschaft verursacht? Auf Slavery Footprint kann man sein Konsumverhalten auswerten lassen und erfahren, wie viele moderne „Sklaven“, unterbezahlte Billiglöhner, man indirekt beschäftigt. Und es sind nicht wenige. Selbst nachhaltig lebende Menschen können hier nicht auf Null kommen. Denn wie eine wichtige Erkenntnis des Workshops lautet: Es gibt keine per se nachhaltigen Produkte – das schwere Schraubglas hat mitunter eine schlechtere Ökobilanz als der recycelbare Plastikbecher.  Es sind daher nachhaltige Systeme, um die es geht. So fügt Rudolph vor die drei Rs des Entsorgungsimperativ „Reduce, Reuse, Recycle“ noch ein viertes: Redesign. Wir brauchen nicht nur ein Redesign der Produkte und Services, sondern auch der gesamten Kreisläufe, um ein umweltschonendes Konsumieren und Wirtschaften zu ermöglichen.