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Mehr Ideen? Kreativere Köpfe? Duschen hilft!

By 30. Juni 2015 März 10th, 2018 Artikel

Erkenntnisse aus der Psychologie und was sie für die Innovationsarbeit bedeuten

Duschen hilft beim Kreativsein – ein überraschendes Forschungsergebnis, vorgelegt von keinem anderen als Woody Allen. Der Regisseur liebte seine Spatziergänge durch den Central Park, um auf neue Ideen zu kommen. Mit wachsender Berühmtheit wurden die aber zu einem Spießrutenlauf. Die Fans trieben ihn unter die Dusche. Dort, so merkte er, hatte ebenso gute Ideen: „Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche“ lautet daher sein kreatives Mantra (Quelle: Musenküsse, Verlag Kein&Aber).

Anekdoten sind das eine, Forschung das andere. Wir, die Autoren der Studie „Neugier-Management“ – Andreas Steinle & Dr. Carl Naughton – machten uns daran, diese „Duschhypothese“ genauer zu betrachten. Denn, wenn dem so wäre, könnten wir alle ein wenig kreativer werden. Und das wäre in einer Zeit, in der der Ruf nach Innovation stündlich lauter wird, nicht das Schlechteste. Das Ergebnis der Forschungsreihe: Duschen macht kreativer, notfalls auch ohne Dusche.

Das Experiment

Im April 2014 luden wir im Rahmen der Wiesbadener Designtage zum Live-Experiment. Wir wollten testen, wie sich Erkenntnisse aus der Kreativitätspsychologie im Kontext von Innovations-Workshops auswirken können.

Als ersten Ansatzpunkt wählten wir das Priming. Was heißt das? Einfach gesagt: wir nehmen einen Reiz nicht bewusst wahr, aber trotzdem beeinflusst er, was wir als nächstes Denken und tun. Wenn in einem Experiment zum Beispiel Altruismus geprimt wird, führt das zu erhöhter Hilfsbereitschaft. In der Kreativitätsforschung wird davon ausgegangen, dass das visuelle Priming von Normabweichung, also dem Brechen eines Musters zu kreativeren Ideen und Problemlösungen führt. In unserem Experiment ging es darum, möglichst viele, interessante Möglichkeiten für die Verwendung eines Ziegelsteins zu finden. Die erste unserer beiden Gruppen primten wir mit einem Plakat, das Normabweichung grafisch darstellt (siehe Bild: der gelbe Schmetterling unter den schwarzen).

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Dem gegenüber stellten wir eine andere aktuelle Hypothese: Menschen, die Achtsamkeit trainieren, werden besser in kreativen Problemlösungsaufgaben. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist das unternehmensweite Meditationsprogramm von Google „Search Inside Yourself“, bei dem Mitarbeiter in sieben Wochen lernen, wie sie Achtsamkeit im Job und Privatleben umsetzen können. Unser Experiment sollte klären, welche der beiden Techniken wirksamer im Bezug auf Kreativität ist. Die zweite Versuchsgruppe wurde daher erst nach einem 10-minütigen autogenen Training ins Backstein-Brainstorming geschickt.

Erkenntnisse

Die Menge der produzierten Ideen – ein klassisches Maß  für kreativen Output – unterschied sich deutlich. In der Gruppe mit dem visuellen Priming wurden deutlich weniger Ideen produziert, als in der Achtsamkeits-Gruppe. Auch die Qualität, d.h. wie außergewöhnlich die Ideen waren, unterschied sich merklich. Wissenschaftliche Experimente haben in den letzten Jahren zwar ergeben, dass das Priming von Normabweichung zu kreativerem Output in Brainstormings führt, es scheint aber eine noch positivere Wirkung auf die Ideenproduktion zu haben, wenn Menschen meditieren.

Das führt uns zum Ausgangspunkt des Experiments zurück: Duschen hilft. Die Frage war ja: „Warum haben Menschen wie Woody Allen eigentlich ihre besten Ideen unter der Dusche?“ Unser Experiment knüpfte in gewisser Hinsicht an die Überlegungen von Jonathan Schooler an, der 2013 im Rahmen einer BBC Dokumentation folgendes belegen konnte: wieder ging es um einen Backstein und as Finden möglicher, ungewöhnlicher Verwendungsmöglichkeiten. Der damalige Versuch hatte 3 Phasen. Zuerst sollten die Menschen möglichst viele neue Verwendungsmöglichkeiten für den Backstein finden und dann eine Pause machen. Eine der Gruppen sollte in der Pause einfach nur dasitzen und nichts tun, die zweite sollte Legoklötzchen der Farbe nach sortieren, die dritte Gruppe hatte zur Aufgabe, mit Hilfe der Legoklötzchen ein kniffliges technisches Problem zu lösen. Anschließend ging es wieder um Ideenproduktion. Es zeigte sich: die Personen mit der schweren Denkaufgabe schnitten mit Abstand am schlechtesten ab. An zweiter Stelle waren die Döser und an erster die, deren Gehirn mit einer einfachen Beschäftigung leicht auf Trab gehalten wurde. Mindwandering nennt das der Psychologe – die Gedanken schweifen lassen.

Wenn Sie also auf mehr Ideen kommen wollen, tun Sie nicht einfach nichts. Gehen Sie in die Natur, in sich (Achtsamkeit), oder unter die Dusche. Tun Sie nicht einfach nichts, sondern machen Sie etwas Einfaches!

Dr. Carl Naughton
Andreas Steinle