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Methode: Speed-Innovation

By 1. Februar 2015Juli 29th, 2019Worktool

Was etablierte Unternehmen von Start-ups lernen können

Wie können wir mit einfachen Mitteln und schlankem Budget Innovationsprozesse effektiver gestalten? Vor dieser Frage stehen aktuell viele etablierte Unternehmen, denn nur wer innovativ ist und sich dem gesellschaftlichen Wandel entsprechend immer wieder neu erfindet, kann in der Wissensgesellschaft langfristig bestehen. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir uns in einem offenen Seminar dem Thema „Speed-Innovation“ gewidmet.

Neue Prozesse

Der aktuelle Hype um Start-ups und ihr enormes Veränderungspotenzial kommt nicht von ungefähr: knappe Ressourcen wirtschaftlicher und personeller Natur führen dazu, dass insbesondere technologiegetriebene junge Unternehmen neue Produkte „lean“ (schlank) entwickeln. Sie sind also in der Lage, ein vermeintliches Hindernis auf dem Weg zum Erfolg geschickt in einen Wettbewerbsvorteil umzumünzen. Zwar werden sie dabei nicht durch das stabile Sicherheitsnetz eines Konzerns aufgefangen, sollte die Unternehmung scheitern, doch auch dessen Limitationen sind nicht vorhanden – keine langwierigen Abstimmungsprozesse, zähe Budgetpläne oder hierarchiebedingte Machtkämpfe. Stattdessen kann äußerst flexibel auf Veränderungen am Markt und im Bereich der Kundenbedürfnisse reagiert werden, ohne über Jahre hinweg in die Illusion einer einzig wahren Lösung investiert zu haben. Start-ups sind durch ihre schlanken Strukturen daher in der Lage, schnell zu lernen, sowie sich und ihr Angebot den äußeren Gegebenheiten iterativ anzupassen. In unserem Seminar haben wir uns daher mit Eric Ries’ methodischer Beschreibung des Innovationsprozesses in Start-up-Unternehmen beschäftigt („The Lean Start Up“) und anhand mitgebrachter Geschäftsideen selbst ausprobiert, wie sich diese prototypisch beschreiben und mit geringem Aufwand testen lassen. Eine unter den Teilnehmern besonders populäre Idee war die des Duschföns. Der Wunsch: nach einer heißen Dusche nie wieder nass in die Kälte müssen! Nach der Ausformulierung der Idee mit Hilfe des Business Model Canvas überlegten sich die Teilnehmer mehrere „leane“ Testmethoden: von der einfachen Google-Suche bis hin zu testweise in Wellness-Spas angebrachten Schaltern („Jetzt trockenfönen“). Nach der Lean-Start-up-Methode folgt auf diesen Schritt der tatsächliche Test und die anschließende Anpassung des Geschäftsmodells anhand der Testergebnisse. Getestet wird so häufig, bis das Modell valide ist. Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Verständnis von Innovationsentwicklung liegt darin, dass ein Geschäftsmodell viel stärker als gedankliche Arbeitsgrundlage begriffen wird, die es mit Hilfe von Experimenten zu testen und entsprechend anzupassen oder eben auch zu verwerfen gilt. Von der Annahme, man wisse schon genau, wie der Markt und die Kunden funktionieren, muss man sich dafür verabschieden.

Alte Welt

Wie genau passt nun ein solcher Prozess in die alltäglichen Abläufe von etablierten Unternehmen? Was können sich Konzerne von der Methodik für ihre eigene Innovationsarbeit abschauen? Und: finden sich dort überhaupt Strukturen, in denen Start-up-Denken florieren kann? Wie so oft gibt es auf diese existenziellen Fragen keine Pauschalantwort, sondern viele individuelle Lösungsansätze. Die Teilnehmer unseres Seminars waren sich einig, dass es sich lohnt, die Methodik in einzelnen Abteilungen zu integrieren, um Ideen schnell und effektiv zu durchdenken. Eine weitere Möglichkeit, von der Gründermentalität zu profitieren, besteht darin, mit Start-ups zu kooperieren, die in einem ähnlichen Bereich agieren, und voneinander zu lernen. Das Start-up befindet sich dann in der finanziellen Sicherheit des Konzerns, dieser wird durch die flexible Kultur und die kreativen Ideen des jungen Unternehmens bereichert. Der entscheidende Punkt bei der Umsetzung von „lean innovation“ in etablierten Unternehmen betrifft allerdings weniger den Prozess und dessen Umsetzung an sich, als vielmehr die (Zusammen-)Arbeits-Kultur der Mitarbeiter. Denn ein „schlanker“ Prozess erfordert eine „schlanke“, das heißt iterative und fehlertolerante Einstellung in den Köpfen von Managern und Projektverantwortlichen.

Download: Methoden Worksheet Speed-Testing (PDF)